Der Karpatenbogen - Ein Abenteuer?

Eine Motorradreise entlang des berüchtigten Gebirgszuges

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Ich weiß noch, wie ich eines abends im Winter auf Google-Maps Europa im "Gelände" Modus angeschaut habe. Sofort stach mir Norwegen ins Auge. Die Alpen ließ ich als bekannt links liegen und blieb dann an den Karpaten hängen. Nach einiger Recherche war ich lange hin und hergerissen ob ich mich auf diese Reise begeben soll. Bis gefühlt eine Woche vor der Abfahrt war ich mir nicht sicher ob ich es durchziehe. Aber für mich als Abeteuerer-Azubi war das jetzt der geeignete Einstieg.

Scheiß der Hund drauf, ich fahr jetzt einach los...


13. August 

Und los geht's mittags erst mal mit einem saftigen Stau auf der Salzburger Autobahn, weshalb ich schon nach dem Irschenberg auf die Landstraße abbiege. Über Nebenstraßen geht es bei Burghausen über die Grenze nach Österreich und ab hier immer südlich der tschechischen Grenze entlang Richtung Slowakei. Am Abend halte ich nach einem geöffneten Gasthaus ausschau, werde aber erst als es dunkel ist fündig. Der "Biker Schani" hat eigentlich auch schon zu, aber einen Biker kann er natürlich nicht hungrig wegschicken, sagt er. Nach einem Saftgulasch suche mir ein abgelegenes Plätzchen zum Übernachten. 483 KM

14. August 

Als ich mein Zelt abbaue kommt der Landwirt auf seinem Traktor angefahren und grüßt freundlich, dann besprüht er das Nachbarfeld mit weiss der Teufel was. Ich bekomme sofort eine eingebildete Atemwegsreizung, was den Abbau enorm beschleunigt. In der letzten Ortschaft vor dem "Eisernen Vorhang" tanke ich noch einmal und kaufe Wasser. Der Übertritt in die Slowakei ist ziemlich unspektakulär, es ist eine einspurige Brücke über die March. Von da an ist es, dank jahrzehntelanger Planwirtschaft motorradfahrtechnisch sehr eintönig. Die einzigen Kurven sind das Abbiegen. Danach geht es gefühlt hunderte von Kilometer durch Industriegebiete und erst am späten Nachmittag werden die Reifenflanken benutzt.

Eigentlich müsste ich durch die Hohe Tatra fahren denn die gehört auch zu den Karparten. Keine Ahnung, ob es in der Hohen Tatra spektakulärer gewesen wäre aber da ich nur 11 Tage Zeit habe muss ich Kompromisse eingehen. 

Am Abend gibt es noch eine kleine Überraschung: feiner Sand in Asphaltfarbe. Traktionskontrolle sei Dank, ist aber nichts schlimmeres passiert. Da es wie immer schon dämmert und ich noch 60 km vor mir habe drehe ich um und fahre über die Hauptstraße zum ausgesuchten Campingplatz, wo anfangs große Verwirrung herrscht, da niemand Englisch spricht, doch am Ende findet sich ein Gast der Deutsch kann. Es werden mir 12,33 € abgeknöpft, was mir angesichts eines üppigen Mittagsmenüs für 5,80 € als ziemlich teuer erscheint aber immer noch billiger ist als so mancher französische Campingplatz. Am Ende stellt sich heraus, dass ich eine Holzhütte mit eigenem Bad, Dusche und Bett gemietet habe. Dafür wiederum sind 12,33 sehr günstig. Das sehr üppige Abendessen kostet 12,80 € inklusive zwei großen Pilsener Urquell. 563 KM

15. August

Das Abenteuer kann beginnen. Aber zuerst geht es wieder ewig lange geradeaus zur ukrainischen Grenze. Da im Netz die unterschiedlichsten Informationen kursieren, was man zur Einreise benötigt war ich etwas aufgeregt. Es stellt sich heraus, dass man lediglich einen Reispass, den Fahrzeugschein (zumindest wenn er auf den Reisenden ausgestellt ist) und sehr viel Zeit braucht. Eineinhalb Stunden bei brütender Hitze ist schon eine Prüfung. In die andere Richtung schaut die Schlange eher nach 3 oder 4 Stunden aus. Danach gehe ich in das nächste Einkaufszentrum, um eine Landkarte von der Ukraine zu kaufen, wo mir nur sehr nette Menschen begegnen. Ich suche mir eine gelbe Nebenstraße aus, die auf der Karte kurvig eingezeichnet ist. Sie hält definitiv nicht was das Papier verspricht. Vom Asphalt ist nur die Hälfte vorhanden, die andere Hälfte sind Schlaglöcher in allen Größen und Tiefen. Über den einzigen Berg mit ein paar Kurven ist es eine reine, tief geschotterte Straße. Ansonsten würde es geradeaus gehen, wenn man nicht ständig um die Schlaglöcher herumfahren müsste. Das ist jetzt nicht das, was ich mir erwartet habe, denn ich bin ja vorwiegend zum Motorrad fahren hier. Somit beschließe ich einen Grenzübergang früher als geplant, noch am selben Abend, nach Rumänien zu nehmen. Diesmal dauert die Prozedur nur 45 Minuten. In Rumänien steuere ich den erst besten Campingplatz an. Zumindest versuche ich es, denn in der vermeindlichen Ortschaft ist eine Pension mit Camping Piktogram auf dem Schild aber ohne Campingplatz. Die Pension ist ausgebucht und alle Gäste sitzen beim Essen. Man bietet mir an mitzuessen und ich frage ob ich auf der Wiese hinter dem Haus zelten kann. Ein Gast und auch Biker bietet mir sein Bett an. Ich bin total überwältigt von der Gastfreundschaft. Es wird viel gegessen und getrunken bis ich spät nachts mein Zelt in der Wiese aufbaue. 355 KM

16. August

Nach einem energiereichen Frühstück packe ich ein, zahle 80 Lei (ca. 17,50€) und lasse blöderweise mein Groundsheet liegen. Es beginnt mit feinen Kurven und neuem Teer. Die benötigte Tanke hat keinen Sprit mehr und zur nächsten navigiere ich höchst persönlich über eine Schotterstraße. Diese entwickelt sich zu einem anspruchsvollen Trail, bevor sie im nirgendwo auf einem Berg endet. Lange Rede kurzer Sinn, ich fahre zurück, wo ich ungefähr heute Morgen gestartet bin und tanke. In einer Bank erklärt man mir, dass ich zurück zum Grenzübergang muss, um mein ukrainisches Geld in Lei zu wechseln. Nach langem rumgefrage und gegurke bei 29 Grad lande ich in einer mehr oder weniger dubiosen Wechelstube.

Endlich kann es losgehen. Ab in die Karpaten. Aber wenn es nur so einfach wäre. Kilometerlang reiht sich Ortschaft an Orschaft bis es endlich soweit ist. Bergig, kurvig und freie Bahn. Aber die Freude währt nur kurz denn es kommt die längste Baustelle der Welt. Und anstatt umzudrehen sage ich mir die ganze Zeit: die muss gleich aufhören denn es geht ja schon ewig. Pustekuchen. Auf dem Pass treffe ich ein Bikerpärchen aus BB. Sie erzählen mir von einem tollen Campingplatz. Es ist der, auf den ich gestern eigentlich auch wollte. Lustig. Dann fängt es auch noch an zu regnen. Nicht lustig. Baustelle und Regen lassen mich kurz überlegen, ob ich nicht nach Griechenland fahren soll. Als der Regen aufhört endet auch die circa 100 KM lange Baustelle und es kommt eine 70 KM lange Betonplattenstraße. Und ich dachte, dass die "großen Straßen" in Rumänien gut fahrbar wären, aber so kann man sich irren. Um halb Acht komme ich ziemlich genervt auf dem Campingplatz an und beschließe das Donnergrollen nicht zu ignorieren. Ich miete eine Holzhütte (50Lei), fahre zum Essen (auch 50Lei) und komme nach dem Gewitter wieder zu meiner Hütte. Kehrt da etwa das Glück zurück? Auf keinen Fall, wenn man die Sanitäreanlage betritt. Die Toilette und Dusche ist nur was für Hartgesottene, die mit osteuropäischen Sanitäranlagen vertraut sind.

17. August

Obwohl ich kaum was einzupacken habe, geht es erst um halb 12 los. Da ich direkt unterhalb eines Klosters genächtigt habe fahre ich hinauf. Menschenmengen und wahnsinnig bunte Stände mit Kitsch lassen mich wenden und endgültig losfahren. Allerdings nicht weit, denn nach ein paar hundert Metern befinde ich mich erneut auf einer Schotterstraße. Aber nicht mit mir, denn heute habe ich keinen Bock auf Off-Road-Abenteuer, heute will ich einfach nur schön Motorrad fahren. Also Plan B und ich nehme die andere Seite des Stausees in Angriff. Voilá, so habe ich mir das vorgestellt. Teer und Kurven, alles paletti und es geht eigentlich bis spät nachmittags so weiter abgesehen von ein paar geraden Verbindungsetappen. Aufeinmal wuppt es mich in eine Schlucht mit feister Straßenware aber Unmengen von Urlaubern die zu Fuß wieder diese bunten Kitschstände abklappern und deren schlecht geparkte Autos einen riesen Stau verursachen. Auch das geht vorbei und danach habe ich die Straße wieder für mich alleine. An einem Imbisswagen am Wegesrand esse ich ein Langos, ein im Fett ausgebackener Teigfladen mit Creme Fraiche, Knoblauch und Käse oben drauf. Feine Sache. Danach ist es immer noch kurvig aber leider nass. Egal. Zum Abend geht es wieder viel gerade aus, aber es ist diesmal nicht langweilig, denn man entdeckt immer mal was neues am Straßenrand. Der angesteuerte Campingplatz ist von Holländern geführt und entsprechend gepflegt. Hier wird der Müll getrennt, im restlichen Rumänien neben der Straße entsorgt. Allerdings gibt es keine Holzhüttchen und nichts zum Essen. Schade, ich habe mich schon an das rundum Sorglospaket gewöhnt, aber immerhin gibt es einen Dorfladen. 

18. August

Große Aufregung am Morgen in der Nachbarschaft. Einer der belgischen Africa Twin Fahrer behauptet, dass nachts ein Bär auf dem Campingplatz war. Es gab einen riesen Radau neben seinem Zelt an der Mülltüte und als Beweis deutet er auf die Tatzenabdrücke in der Wiese. Ich muß leider zugeben, dass es definitiv keinen so großen Hund gibt der solche Abdrücke ins Gras drücken könnte. Jeder macht Fotos aber laut Chefin gibt es hier eigentlich keine Bären. Auf alle Fälle ist es eine coole Geschichte die man zu Hause erzählen kann, wer auch immer diese Abdrücke hinterlassen hat. Mein Essen war übrigens im Zelt und das extra gekaufte Pfefferspray am Motorrad. Anfängerfehler! Nichtsdestotrotz geht es kurz darauf direkt auf die Transfăgărășan. Auch wenn mich alle Rumänienfans jetzt steinigen. Ja es ist eine geile Strecke, aber auch nicht spektakulärer als zig Alpenpässe. Sogar das enorme Verkehrsaufkommen kennt man von einem Freitag im August aus den Dolomiten. Auf keinen Fall stehen bleiben ist die Devise, sonst muss ich alle nochmal überholen. Aber selber Schuld, wenn man in den rumänischen Ferien unterwegs ist. Danach kommt noch eine Monster Staumauer und wenn man danach unterhalb dieser rumfährt, hofft man, dass die Erbauer ihr Handwerk besser beherschen als die Straßenbauer. Immer wieder ist der nagelneue Asphalt mit deftigen Schlaglöchern durchsetzt. Der Abschneider zur D7 an der Old entlang entpuppt sich als 15 KM lange reinrassige Schotterstrecke. Aber heute läuft es super und es macht auch Spaß. Kaum auf der D7, Stau und immer wieder Stillstand. Überholen ist schwierig, denn es kommen sehr viele, sehr schnelle Sattelschlepper entgegen. Ohne Verkehr wäre die Strecke schön, aber es schaut mir danach aus, als ob es eine Hauptverkehrsader ist. Der Grund des Staus ist ein simpler Unfall. Am Ende bin ich auf alle Fälle in Sibiu (Hermannstadt), wo ich das Hotel Apollo ausgesucht habe und auch noch ein Zimmer (179 Lei) bekomme. Es ist nur ein paar Fussgehminuten von der Altstadt entfernt. Ich lasse schräg gegenüber noch mein, von Baustellen und Schotter vollkommen verdrecktes Motorrad und Gepäck waschen und bummle dann abends in die Altstadt zum Essen. Hier sollte man auf alle Fälle sein Ziel schon vorher ausgesucht haben, denn die ganze Altstadt glänzt, in meinem Fall, mit einem Edge-Netz.

19. August

Erstmal raus aus Sibiu Richtung Transalpina und ich bin gespannt, ob mein heutiger Abschneider wieder über Schotter geht. Aber nein, es ist einer wunderbare Kurverei mit besten Straßenverhältnissen, genauso wie die Transalpina im Anschluß. Sie gefällt mir um längen besser als die Transfăgărășan gestern, zu mal auch relativ wenig Verkehr ist. An den neuralgischen Stellen immer das gleiche Bild. Kitsch und Essensstände gepaart mit Parkchaos. Oben am Pass macht der Rumäne gerne Picknick und lässt haufenweise Müll liegen. Ich bin seit der Slowakei nicht mehr erstaunt über den ganzen Müll der hier in den Dörfern und neben der Straße liegt, aber oben am Pass auf der Wiese mit Aussicht entsetzt es mich diese Gewissenlosigkeit gegenüber der großartigen Natur (wegen der man ja raufgekommen ist) schon. Wieder unten biege ich nach rechts ab und es geht spannend weiter Richtung Donau. In Orsova mache ich noch einen Abstecher zur Engstelle und Statue des Decebalus. Das hätte ich mir allerdings sparen können, aber hinterher ist man immer schlauer. Da es nich nicht allzuspät ist, beschließe ich gleich nach Serbien zu fahren. Die Grenzabfertigung geht ratzifazi und der serbische Grenzer ermuntert mich Gas zu geben. In Kladovo wechsle ich, in einem noch dubioseren Exchange ohne Beleg oder sonst was, meine restlichen Lei in serbische Dinar. Vertrauen ist alles, aber irgendwo sind in den letzten Tagen, bei der ganzen hin und her Wechselei, 30€ als Gebühren geblieben. Es geht an der Donau entlang Richtung Süden und fast wäre ich am Campingplatz vorbeigerauscht, denn er schaut aus als wäre er zu Yugozeiten geschlossen worden. Ein komischer, dreckiger und algiger Fluss, der wie ich später sehe, die Donau ist, mit einem schmalen braunen Rasenstreifen an der Straße. Ich beschließe weitere 25 KM zum nächsten Camingplatz zu fahren, den es allerdings auch nicht mehr gibt! 450 KM gefahren, und dann das. Ich erinnere mich an ein SOBE Schild an dem ich vorbeigekommen bin und fahre zurrück. Kurz drauf beziehe ich eines von mehreren alten ausgebauten Weinfässern. Der eigentliche Oberknaller ist aber das Abendessen, mit allem Pipapo, auf der Donau mit Blick nach Rumänien. Das beste Essen der bisherigen Reise. Bis jetzt bin ich schon mal ein Serbien-Fan.

20. August

......und ich bleibe erst mal Serbien-Fan. Nach einem opulenten Frühstück bezahle ich 2000 RSD (16€) für alles. Ob tanken oder Kaffeepause, im ersten Moment denkt man immer, dass man sich verrechnet hat beim Wechselkurs. Der ganze Tag ist eine super Kurverei. Sogar am Anfang ist es nicht eintönig, sondern schöne langezogene Kurven und null Verkehr aus dem Donaubecken heraus. Strecke machen kann auch abwechslungsreich sein. Dann geht es in die Berge. Oh Mann, wie habe ich mir das gewünscht in den Karparten. Kurve an Kurve und Straßen die diese Bezeichnung verdienen. Oben ist es mit 15-18 Grad immer ziemlich frisch aber mir persönlich lieber als 34 und geradeausfahren. Am Abend fängt es leider an zu regnen und ich halte bei der ersten Zimmervermietung. Nova Varos ist ein ziemlich verwahrloster Skiort und mit mehr Muse hätte ich sicher ein besseres Zimmer gefunden, ohne nervigem nachverhandeln mit der Chefin. Erst als sie merkt, dass ich samt Regenkombi und Motorrad in der Garage weiterfahren würde, lenkt sie ein. 1800 RSD (15€) für das Zimmer mit Garage aber ohne Frühstück ist zwar nicht die Welt, aber im Vergleich kein Schnäppchen. 

21.August

Bevor ich aufbreche trinke ich zum Frühstück einen Cafe auf dem Hauptplatz und beobachte zwei uniformierte Männer. Erst dachte ich, dass sie Parkgebühren kassieren aber sehe dann, dass es die Briefträger sind. Anscheinend kommt man hier morgens auf den Hauptplatz und holt sich bei den Jungs seine Post ab.

Bevor es losgeht knöpfe ich meine Membran in die Jacke und bereue es keine Sekunde. Trocken, bewölkt aber ziemlich frisch geht es schön kurvig nach Montenegro. An der langen Schlange bei der Einreise drängle ich mich frech vorbei und werde auch vorne reingelassen. Schön. Aber nach der ukrainischen Grenzerfahrung ist alles andere Pillepalle. Montenegro ist schön kurvig, gut geteert aber auch sehr Laserpistolenüberwacht. Hier hat man offensichtlich nicht nur den Euro übernommen sondern auch gleich Kurse bei deutscher Polizei und Fiskus belegt. Das Preisniveau ist ein bischen höher als in Serbien. Obwohl die Taraschlucht die längste und tiefste Europas ist, sind so gut wie keine Autos unterwegs hier. Das Lustigste ist die Ausreise ein paar Stunden später. Montenegro hat eine schicke Grenzanlage mit allem was der Grenzer so braucht. Häuschen, Dach, automatische Schranke und Computer. Die Kontrolle meiner Papiere dauert ein paar Minuten am Computer. Die bosnische Grenze ist ein Container und eine Schranke die der Grenzer per Hand auf und zu macht. Er überprüft ob das Kennzeichen auf dem FZ- Schein mit dem der Grünen Karte übereinstimmt. Fertig.

Fahrerisch habe ich mir mehr von Bosnien erwartet. Der Teer ist stellenweise extrem glatt. In manchen Ortschaften löst beim normalen bremsen das ABS aus und im stehen rutscht fast der Stiefel weg. Das fördert nicht gerade das Vertrauen bei der Kurvenjagd Überland. Obwohl es ständig links und rechts geht komme ich sehr gut voran. Es wird nie wärmer als 18 Grad und ich wechsle die Handschuhe hin und her, mal mit, mal ohne Griffheizung. Solange es trocken ist, bin ich aber happy und genieße die Kurven. Es wird dunkel und ich suche mir in Ruhe ein Hotel, allerdings ist die Auswahl eher überschaubar. Am Ende lande ich in einem nagelneuen Hotel mit "Busbahnhof" und angeschlossener Bar. Verraucht mit lauter Volksmusik, mitsingenden Gästen und reiner Flüssignahrung. Lokalcolorit. 

22. August

Aufgrund meiner frühen Flucht aus der Bar und dem damit verbundenem frühen schlafen starte ich heute schon um kurz nach acht, erst mal in die nächste Bar, für einen Cappuchino. Es will aber nicht wärmer werden und somit geht es jetzt bei 12 Grad endgültig los und die ganze Strecke bis Kroatien zeigt mein Thermometer nicht über 18 Grad an. Von der Streckenführung ist alles dabei. Ich komme sehr gut voran. Die Strecke über den Schotter die ich einprogrammiert habe, schlage ich dankend aus. Mittags esse ich, Überraschung, mal wieder Cevapcici. 

Direkt an der kroatischen Grenze schnellt die Temperatur nach oben. Ich tausche wieder einmal Geld, diesmal meine Marka in Kuna. Dann geht es ewig ganz leicht geschwungen, eigentlich eher langweilig die M1 entlang. Erst als es nach links zu den Plitvicer Seen geht wird es kurvig, was aber egal ist, denn unzählige Touristen sind im Sightseeingfieber. Somit erübrigt sich auch die Überlegung sich selbst das Spektakel anzuschauen. Ein ganz anderes Spektakel erfreut mich sowieso mehr. Eng und kurvig geht es Richtung Norden. Als mich um halb sieben nach über 600 KM die Müdigkeit überfällt, gebe ich nach und checke in Delnice in ein Hotel ein, das ich schon kenne, denn ich bin das dritte mal hier aber jetzt zur Hochsaison ist es gar nicht mal so günstig. Beim Abendessen bin ich froh, dass keine Cevapcici auf der Karte stehen aber dafür sind die Tomaten wieder nahezu geschmacklos. Offensichtlich nähere ich mich der Heimat. 

23. August

Es geht nach Hause. Die Strecke durch Slowenien könnte ich inzwischen ohne Navi fahren, aber ich lasse es trotzdem mal machen. Und siehe da, es schickt mich über Strassen, die ich noch garnicht kenne, aber trotzdem den vollen Genuß servieren. Ich habe so das Gefühl, dass ich heute durch Slowenien mehr Kurven fahre als die letzten 10 Tage zusammen. Der Gummi verabschiedet sich dadurch heute überproportional mehr. Und dann kommt direkt nach einem unverschämt teueren Mittagessen (der Burger mit Pommes für 12,45€) das absolute Highlight, denn endlich ist die Auffahrt zum Mangart mal nicht gesperrt und somit nehme ich die mautpflichtige Stichstraße noch mit. Und es lohnt sich, denn dieser Ausblick läßt die 5€ Maut sofort vergessen. Ab dann geht es expressmäßig nach Hause mit einer Tank-und Espressopause. 

Um 20:20 stehe ich wieder vor meiner Garage und und habe über 5000 KM lang Eindrücke gesammelt. Es war mehr eine sehr interessante Land und Leute Kennenlern-Reise als eine Motorrad-Kurven-Fieber- Reise und siehe da, teilweise auch abenteuerlich.


Meine Beobachtungen:

In Rumänien steht in jedem Kaff eine Kirche und ein Polizist, aber der interessierte sich nicht für mich.

In Serbien und der Slowakei sind kaum Polizisten aufgefallen.

In Montenegro wurde 2 x gelasert, wovon ich einmal nur durch Warnung eines entgegenkommenden, einem sicherlich großen Fiasko entkam.

In Bosnien steht in jedem zweiten Kaff ein Polizeiauto am Ortseingang oder Ausgang, ähnlich den rumänischen Kollegen.

In Kroatien stehen sie nur auf der M1, ausser in einem Dorf, das dummerweise entlang eines wirklich genialen Kurvengeschlängel liegt. Als ich da durch eine dieser Kurven gepfeffert komme springt aufeinmal ein Polizist wild winkend über die Straße. Uiuiui, jetzt muss mir aber ganz schnell eine gaaanz gute Ausrede einfallen denke ich mir. Aber soweit kommt es gar nicht, denn als er mein Kennzeichen sieht, lächelt er, sagt "alles gut" und schickt mich weiter.


Essen und Freundlichkeit:

Also ich mag ja Cevapcici, aber ab Serbien stand eigentlich immer und ausschließlich Cevapcici auf den Karten. Das war sogar mir zu viel.

Auf der Heimreise fällt mir dann ein Zusammenhang auf: Je weniger Müll herum liegt und sauberer es wird, desto unfreundlicher werden scheinbar die Leute. 

Und je weiter man sich Deutschland nähert desto geschmackloser werden die Tomaten und Gurken. Vielleicht sind die Menschen deshalb so unfreundlich.

Oder ich war zu diesem Zeitpunkt schon von der extremen Freundlichkeit der Rumänen, Serben und Bosnier verwöhnt.


Besonderheiten der Ausrüstung:

Kurze Sommerhandschuhe (Held Rodney) waren genial, obwohl ich sehr eigen bin mit Handschuhen.

Continental TKC70. Extrem handlich, im Schotter immer ein gutes Gefühl gehabt. Auf der Straße im trockenen und nassen immer Grip, mehr als ich ich im Urlaubs- und Gepäckmodus benötigte. Nur beim Bremsen spürt man das Rattern des groben Profils ansonsten fährt er sich wie jeder ander Straßenreifen. Bis Slowenien war die Haltbarkeit erstaunlich, aber im kurvenreichen Finale der Reise hat er dann sehr viel Gummi liegengelassen.

Die kurze Scheibe von Power Bronze ist der Hit. Allerdings nur wenn man sie mit Bastelarbeit deutlich flacher macht. Original fabriziert sie mehr Verwirbelungen wie die Serienscheibe und trommelt einem wie Phil Collins auf den Helm. Für die sommerlichen Temperaturen habe ich die Handschützer demontiert. 

Das radikale reduzieren des Gepäcks hatte nur Vorteile und keinerlei Nachteile. Sowohl das Gewicht als auch das Volumen, mittels Vakuumbeutel wurde erheblich weniger. Obwohl einige neue Dinge den Weg auf das Motorrad gefunden haben. Ein Rolltisch sowie ein Kocher mit Alutöpfchen und Emailtasse. Der Gedanke dahinter war, dass ich beim wilden Zelten die Zeit der Zelttrocknung mit Kaffeetrinken überbrücken wollte. Wild gezeltet habe ich nur einmal, aber Kaffee, genauer gesagt Espresso-Instantkaffee mit H-Milch, habe ich mir öfters gemacht, was gut und praktisch war.


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