Der Iran ist weit weit weg.
2020 verschlägt es mich nach Armenien

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23.8.
Die Aufregung der letzten Tage ist verschwunden. Ich packe noch den Tankrucksack und verabschiede mich von meiner Frau. Um halb elf geht es los.

Anstatt in den Iran jetzt also nach Georgien und Armenien. Ich habe bis Mitte Juli abgewartet und dann beschlossen, dass es mir zu ungewiss und wenn es nicht klappen sollte, auch zu teuer ist. Denn der Iran lässt zu diesem Zeitpunkt keine Motorräder über 250ccm einreisen. Von den politischen Querelen mit den USA ganz zu schweigen. Nach anfänglicher Enttäuschung über meinen geplatzten Traum einer Iranreise, musste ein adäquater Plan her. 
Zur Auswahl standen Marokko oder eben Georgien und Armenien. Für Marokko sprach, dass dazwischen nicht die Türkei liegt. Diese ist für mich, mit ihrem jetzigen Bestimmer, nicht so vertrauenswürdig. Was erschwerend dazu kommt ist, dass die Mehrheit ihn wohl gewählt hat. 
Für die Reise in den Kaukasus sprach die Jahreszeit. Ich habe Ende August bis Ende September frei. Nach Marokko kann man auch im März fahren, in den Kaukasus und die Osttürkei definitiv nur im Sommer. 

Wie immer wurde ein Plan geschmiedet und währen dem Studium des Türkei Reiseführers und der Karte haben sich meine Bedenken gelegt und die Enttäuschung verflog. Erstmal. 

Der Plan:
Über Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Kosovo in den Norden Albaniens und runter zum Meer. Weiter nach Griechenland, durch den Süden der Türkei rauf nach Georgien und weiter nach Armenien. Zurück an der türkischen Schwarzmeerküste entlang nach Bulgarien, Serbien und dann nach Hause. Ein krasser Ritt. Keine Ahnung ob es in 4 Wochen zu schaffen ist. Aber das weiß man ja nie... 

Jetzt bin ich also auf der Salzburger Autobahn und überhole einen LKW aus dem Iran... Witzig. Bis Novo Mesto in Slowenien bleibe ich, zum Teil im Regen, auf der Autobahn. Mit den ganzen Vignetten und Tunneln läppern sich knappe 30€ zusammen. Respekt. Ab dann geht es über die kurvige Landstraße nach Bosnien-Herzegowina. Vor der Grenze staut es sich 2 KM. Ich drängle mich vor, und niemand regt sich auf. Schön. Mit meinen Ersatzreifen hinten drauf ist jedem klar, dass ich keinen Badeurlaub an der Adria mache und werde mehrfach angesprochen. Am schönsten fand ich einen älteren Slowenen der mir sagte, dass ich alle seine Träume lebe. 
Nach der Grenze suche ich mir, in dem dicht besiedelten Gebiet vor Bihac, eine Wiese zum Zelten. 596 KM ist zwar etwas weniger als geplant, aber mehr war heute nicht drinnen. Und trotzdem ist es so weit weg, dass während ich, im Dunkeln mit meinem Bier vor dem Zelt sitze, rechts Schüsse aus dem Tal hallen und links der Muezzin ruft. 
596 KM

24.8. 
Um 6 Uhr steht ein Hund vor meinem Zelt und bellt. Ewig. Genau so lange bis ich aufstehe und angezogen bin. Dann geht er. Jetzt brauche ich mich auch nicht mehr hinlegen. Ich grüße die verschleierten Frauen die schon an den Weinstöcken arbeiten, sie winken zurück. Nach dem Morgenkaffee, beim zusammen packen, kommt der Besitzer vorbei, schaut sich alles an und lädt mich zum Kaffee ein. Ich lehne ab und starte in den Tag. Um keine Zeit zu verplempern fahre ich auf der großen, roten Straße nach Sarajevo. Starker Verkehr und vereinzelte Regengüsse lassen den Schnitt sinken. Ich muss sagen, dass Bosnien-Herzegowina, zumindest da wo ich jetzt zwei mal durch gefahren bin, mit zu den hässlichsten Ländern gehört, die ich besucht habe. Wobei die Unterschiede zwischen Slowakei, Ukraine, Rumänien, Serbien und eben Bosnien-Herzegowina nicht sehr groß sind, was die Schönheit ihrer Dörfer und Städte angeht.

Im strömenden Regen durch Sarajevo zu fahren lässt auch keine Lust für eine Sightseeingtour aufkommen. Danach geht es aber wenigstens schön kurvig durch die Berge. Ab und zu regnet es und ich finde ein Apartment für 12,60€. Zeit zum waschen und duschen. Abends steppt der Bär im Zentrum. Alle sind in Schale und flanieren. Samstag ist Flaniertag. Mit Pizza und Bier lasse ich den Tag ausklingen. 
435 KM

25.8 
Das glaubt mir wieder niemand, aber im Zelt hatte ich besser geschlafen als in diesem komischen Bett. Dafür ist schneller eingepackt. Die Klamotten sind bis auf die Handschuhe trocken aber die Wolken hängen wieder tief. 
Nach einem Cappuccino und tanken geht es gleich zur Sache. Eigentlich geht es den ganzen Tag zur Sache. Bis zur Grenze nach Montenegro und weiter ins Land, zieht sich ein kleines, zernarbtes Sträßchen, den Italienischen nicht unähnlich, durch die Berge. Später dann, wie aus dem Nichts verwandelt sie sich in eine zweispurige nagelneue, kurvenreiche Bahn am Fluss entlang. Flott und schräg geht es dahin. Später wieder holpriger aber nie unangenehm. Dann geht es kurz in den Kosovo. Man fährt ewig zwischen den Grenzen im Niemandsland. Als man gar nicht mehr damit rechnet kommt der Übergang. Für 10€ erhalte ich eine 15 tägige KFZ - Versicherung und ab geht's. 
Der Kosovo erwischt mich vollkommen unvorbereitet. Vorurteile sind Scheiße. Da ich nur schnell durch will, weil man sonst einen ziemlichen Umweg fahren muss, habe ich mich null informiert. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass auch der Kosovo den Euro als Zahlungsmittel hat. Und das ist wichtig. Denn sonst hätte ich den bisher besten Espresso (in kosvoanisch: Expresso) nicht getrunken. Die paar Kilometer durch das Land waren sehr positiv. Aufgeräumt ist es. Deutlich schicker als Bosnien-Herzegowina und Montenegro. Mir hat es gefallen. Der Übergang nach Albanien anschließend hat ein wenig von einer Hochsicherheitsgrenze. Überall Gitter und Tore und Schranken. Was an mir vorbei geht ist, dass die Grenze Aus- und Einreise zugleich ist. Kein zweites Häuschen oder so. Danach kommt erst mal nix. Also so gar nix. Geld wechseln Fehlanzeige. Auch alles andere Fehlanzeige. Irgendwann kommt eine Kreuzung mit einem Minimarkt und einer Tankstelle. Dann kommt 3 Stunden wieder nichts mehr. Nur eine eineinhalb spurige Straße und Kurven. Kleine geile enge Kurven. Der Belag geht von neu und top bis ruppig aber passt schon. In diesen 3 Stunden sehe ich 3 Autos und insgesamt ca. 10 Menschen. Ansonsten einen Stausee und mehrere Schluchten, wo sich die Straße entlang schlängelt. Wenn mir nicht das Wasser ausgegangen wäre, ich Bier und Fleisch dabei gehabt hätte, meine Fresse sind da geile Zeltplätze am Wegesrand. Aber hätte hätte... 
Endlich um acht bin ich in Kukes. Ich hebe Geld ab, kaufe Bier und Grillwürste. Geh in eine Bar mit WiFi und gebe zu Hause Bescheid. Ab und zu setzt die Verbindung des WhatsApp Anrufs aus, was allerdings an der madigen Verbindung zu Hause liegt. Verrückte Welt. Um 9 tanke ich und fahre durch die Dunkelheit bis ich um 10 nach mehreren waghalsigen Offroad Manöver, einen Zeltplatz finde. Die Würste bleiben eingepackt und das albanische Bier schmeckt.
Pura Vida. 
479 KM

26.8
Am Morgen kommt ein junger Mann in top Sportklamotten mit iPhone und seinen Schafen vorbei, plauscht ein wenig und bietet mir Zwetschgen von seinen Bäumen an. Dann kommt noch die Schwester und am Ende seine Mutter. Alle freuen sich, dass ich da bin und ich schenke ihnen meine Würste. Schlußendlich bin ich erst um 11 auf der Straße. Es geht genauso weiter wie gestern. Zackig durchs Gebirge. In Peshkopia sind meine Sinne vollkommen überfordert. Groß, laut, Verkehr, Menschen überall und alle wollen entweder was verkaufen oder kaufen. Ich überlege kurz mir Socken oder gar ein Schaffell zu kaufen. Sofort verwerfe ich diesen Gedanken. Wieder diese Vorurteile die gewinnen. Wo soll ich das Motorrad abstellen,nicht dass mir was geklaut wird und und und. Vorurteile sind Scheiße. Als ich später anhalte um die Karte zu studieren steht ein Herr mit seinem Auto in meiner Nähe und verkauft Weintrauben. Da ich noch nichts gegessen habe, schlage ich zu und nehme je eine rote und grüne Rispe. Der Herr will allerdings kein Geld von mir annehmen. All meine Versuche scheitern. Er wünscht mir eine gute Reise. Vorurteile sind Scheiße.

Und schon wieder habe ich eine "Reise Know-how" Karte mit einem amtlichen Fehler. Die Straße ist so was von noch im Bau. OK, dann ein bisschen zurück und über Mazedonien, das ja jetzt Nordmazedonien heißt, zum Oridsee. Leider habe ich keine Zeit mir den anzuschauen denn ich will heute noch im Meer baden. Somit geht es ab jetzt express mäßig voran. Es kommt sogar noch eine veritable Küstenstraße. In Dhermi finde ich die beiden Campingplätze nicht und bin auch etwas genervt von dem Trubel dort. Etwas weiter im Himare werde ich fündig. Ein nette,r kleiner Platz der mich ein wenig an die 80er in Südfrankreich erinnert. Als ich im Meer bade ist es natürlich schon dunkel. 
448 KM

27.8 
Die Strafe für zu langes Schlafen ist extremes schwitzen beim Zelt abbauen und Motorrad aufladen. Das muss sich ändern. Meine heutige Route geht noch mal am Meer entlang was sehr abwechslungsreich ist und dann Richtung Landesinneren zur griechischen Grenze. Die Ausreise bereitet einen schon mal auf die kommenden Nicht-EU-Grenzen vor. Zu meinem Erstaunen ist es auf der griechischen Seite kaum anders wie in Albanien, weder auf der Straße noch in den Ortschaften. Was allerdings auffällt ist, dass die meisten Ortschaften nicht an der Straße liegen. Insgesamt geht es sehr abwechslungsreich durchs Land, mal lang geschwungen mal eng einen Pass hinauf, alles ist dabei. Um den Olymp herum, sagt die Reise Know-How Karte, dass es eine landschaftlich reizvolle Strecke wäre. Da hat sie mal recht. Nicht nur landschaftlich auch von den Straßenverhältnissen eine super Kurverei. Das ist nicht selbstverständlich in Griechenland denn hier hat es die schlechtesten Straßen der bisherigen Tour. Am Meer angekommen bin ich doch etwas enttäuscht. Strand, zweispurige Straße, 200m weiter landeinwärts der Campingplatz beziehungsweise die Hotels. Für mich ein wenig zu steril im Gegensatz zu gestern. Zu guter Letzt noch das Desaster des Abendessens. Die Restaurants sind ewig weit weg und haben um 22 Uhr nichts mehr zu essen. Wenn, dann sind die Gurken und Tomaten geschmacklich von Lidl & Co. Für griechischen Salat, Tsatsiki, Suflaki, 1/2 Liter Wein und Wasser bleche ich dann auch noch 25€. Da scheiß ich drauf, dass der Chef ein stuttgarter Grieche ist und vermisse Albanien.
439 KM


28.8
Ist schwierig mit früher aufstehen. Bin allerdings auch noch im Jetlag. Trotzdem komme ich eine Stunde früher los, kauf noch Wasser, Kondensmilch und Socken ein, dann geht's auf die Autobahn zur türkischen Grenze. In der letzten Stadt vor der Türkei suche ich mir jemanden der meine Reifen wechselt. Der Conti hat sich echt wacker geschlagen. Hut ab. Ein geiler Reisereifen. Der erste Elastika, wie sie in Griechenland heißen war ein unfreundlicher Arsch und hat mich quasi rausgeschmissen, der zweite hat mir erst erklärt, wo die Motorrad Werkstätten sind und dann angeboten, wenn ich das Werkzeug habe es für 30 Flocken ohne Auswuchten zu machen. Ich bin zu den Motorrad Werkstätten gefahren. 20€, aber ich muss 2 Stunden warten denn er hat Mittag. Ich ziehe mich um, gehe baden und essen. Diesmal sogar gut und günstig. Die Reifen sind wie versprochen gewechselt und ich bin um 18 Uhr wieder auf dem Weg, in die Türkei. Ich bin aufgeregt. Nicht zu fassen, dass eine leere Autobahn an der Grenze einen solchen Stau verursachen kann. Das Hauptproblem ist allerdings die schmale Brücke über den Grenzfluss. Die Abfertigung auf der türkischen Seite hat im Gegensatz zu allen anderen Grenzen 3 Stationen. Immer wollen sie alle 3 Dokumente (Pass, Fzg-Schein, Grüne Versicherungskarte) sehen. In jedem Häusl wird was in den Computer eingegeben. Aber schlussendlich bin ich recht flott in der Türke,i obwohl das erste mal in meinem Leben das Gepäck auf dem Motorrad kontrolliert wird. Und zielsicher sucht er sich den Koffer aus, in dem die verschwitzten Klamotten auf eine Wäsche warten. Zwischen Häusl 2 und 3 frage ich mich noch zu einer Wechselstube durch. 
Die Autobahn geht weiter und auf der Gegenseite staut es sich kilometerlang zur Grenze. Zwischendrin fliegende Händler mit Çay und Früchten. Notiz an mich selbst: Für die Rückreise einen möglichst kleinen Übergang suchen. 

Autobahn oder Schnellstraße oder irgendwas dazwischen. Auf alle Fälle nagelneu, 4 spurig mit Leitplanken in der Mitte und ab und zu eine Art Kreisverkehr. So zische ich weiter Richtung Fähre über die Dardanellen um Europa zu verlassen. Vorher allerdings steht ein Wegweiser zu einem Campingplatz. Ich bremse hart, biege rechtwinklig von der Dingsdbumsbahn auf einen Feldweg ab. Bähm, ich zelte wieder am Meer. 
512 KM

29.8. 
Wieder ewig gebummelt und erst um elf auf der Bahn. Nur kurz dann bin ich schon in Galipoli wo die Fähre ablegt. Eine kleine Verzögerung gibt es, weil ich an einer Polizeikontrolle heraus gewunken werde. Da ich wie alle anderen vom Gas ging, weil ja da steht, dass kontrolliert wird, wollen sie nur meinen Führerschein sehen. Leider kann der Polizist kein Englisch, und ich check die Zeichensprache erst, als er mir seinen zeigt. Die Überfahrt kostet nur 15 Lira und dauert ca. 30 min. In Lapseki angekommen suche ich nach einem Laden der mir eine SIM verkauft. Bis ich einen finde, alles ausgefüllt und eingerichtet ist, hat es 14 Uhr. Egal, ich bin wieder online und fahre los Richtung Ephos. Allerdings ohne das GPX-Tracking im Handy wieder zu starten. 
Noch bin ich nicht so richtig angekommen. Die Fahrerei geht nicht so von der Hand, die Heidenau Reifen sind sehr gewöhnungsbedürftig und von der Türkei weiß ich noch nicht was ich halten soll. Es geht über alle möglichen Kategorien von Straßen, außer top und kurvig, ist alles dabei. Der Teer ist stellenweise sehr glatt. Kurz vor Balikesier lande ich auf der sündhaft, teuren Autobahn. Diesmal ist es eine Echte. 47 Lira für 150 KM. Respekt. Kurz vor Ismir geht es bei Kemalpaşa über einen Pass und ich biege irgendwann ab um Bier zu kaufen und einen Schlafplatz in den Olivenhainen zu suchen. Zum Abendessen gibt es Erdbeeren und Honigmelone von einem Straßenstand. Sehr fein. 
458 KM

30.8.
Zeitig stehe ich auf, denn ich will ja Ephesos, türkisch Efes (wie das Bier) anschauen. Das restliche Obst gefrühstückt, Zelt abbauen und ab geht's zum Sightseeing. Auf dem Parkplatz ziehe ich mich um und besichtige in der brütenden Hitze die antiken Überreste. Der Eintritt kostet 70 Lira. Danach ziehe ich mich wieder um und komme in meinen Motorradklamotten 5 km weit bis ich Mittag essen gehe. Ein junger Mann aus Südkorea parkt seine 250er Honda neben meinem Schlachtschiff. Ich bin beeindruckt wie man so minimalistisch, so weit kommt.

Danach mache ich mich auf den Weg Richtung Pamukkale und nehme die Strecke mit einem Abstecher auf die kleinen Straßen. Nachdem ich den Reifendruck reduziert habe, werde ich mit den Heidenau Reifen warm und schieße mich auch auf den türkischen Teer ein. Es fängt langsam an Spaß zu machen, allerdings kommt man einfach nicht weiter auf den engen Sträßchen durch das Hinterland. Bei der letzten Chance die ich Calimoto gebe lotst es mich verkehrt herum durch eine Einbahnstraße und schlussendlich auf einen Schotterweg. Dieses Navi-App ist definitiv nicht zu gebrauchen. Am Ende fahre ich wieder über Schnellstraßen zum Ziel und erschrecke etwas als ich in Pamukkale ankomme. Es erinnert ein wenig an die Plitvicer Seen. Vor 30 Jahren ein cooler Spot jetzt Massentourismus. Als ich die Menschenmengen in den weißen Felsen sehe, beschließe ich direkt zum Campingplatz weiterzufahren. Im Sonnenuntergang springe ich noch alleine in den Pool mit Blick über die komplette Ebene. Viel besser als mit hunderten, fremden Menschen in den Kalkterrassen.
246 KM

31.8.
Am Morgen kümmere ich mich zuerst um meine Treue Gefährtin. Neue Bremsbeläge hinten, Öl nachfüllen, Kette schmieren und den Reifendruck nochmals absenken. Danach esse ich mein Obst, trinke 2 Café und bin erst um 12 auf der Strecke. Es geht quasi über 600 KM auf den Autobahn ähnlichen Schnellstraßen Richtung Göreme. Unterwegs fahre ich in ein Dorf auf einen Café. Es werde 2 Çay in einem Teehaus daraus, mit 8 alten Männern, die einen Mordsspaß mit mir haben. Es werden Fotos von einem der Herren mit meinem Motorrad gemacht. Ich darf nichts bezahlen und man pflückt mir noch 2 Traubenrispen. Ich komme bei Tageslicht in Askaray an und steuere den einzigen Campingplatz an. Es stellt sich jedoch heraus, dass es der Parkplatz vom Hotel ist. No Problem. Toilette ist in der Lobby und duschen kann ich im Spa Bereich. No Problem Sir. Nur 50 Lira. Also doch wieder auf´s Motorrad und weiter nach Göreme. Als ich nachts ankomme, sehe ich den bunten, lauten Touritrubel und begrabe sofort den Traum von einer kleinen, günstigen Pension im Zentrum. Es wird ein ziemlich heruntergekommener Campingplatz, aber immerhin im Zentrum. Was solls. Göreme erkunde ich dann zu Fuß. Das ist recht schnell erledigt. Wie gesagt, bunt, laut und passend zum Tourikonsumtrubel und die bisher dicksten Straßenhunde. Es kommen auch die nächsten 3 Wochen keine Dickeren mehr.
Das von TripAdvisor vorgeschlagene „Café Can Can“ kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen. Sehr gut und nett. 
625 KM

1. 9.
Man kommt den Ballonen gar nicht aus. Die Brenner sind sehr laut und die Vögel machen einen riesen Radau wenn sie kurz vor Sonnenaufgang über Göreme im Tiefflug schweben. Da ich irgendwann eh pullern muss, stehe ich doch auf. Wie übrigens alle Touristen in Göreme mache auch ich ein paar Fotos auf dem Weg zum Klo. Als ich dann um 8:20 endgültig aufstehe bin ich guter Dinge schnell einzupacken um wieder Strecke zu machen. Denn ich habe noch nicht mal die Hälfte der Türkei durchquert. Da kommt ein netter, junger Türke der mit seiner KTM aus Ismir ist und wir kommen ins plaudern. Er will mehr über meine Route wissen und gibt mir Tipps. Lange Rede kurzer Sinn, um 12 geht es direkt wieder los. Allerdings nicht weit, denn nach ein paar Metern entdecke ich ein gutes Fotoplätzchen mit den Felsenhöhlen im Hintergrund. Zum Glück, denn ich dachte ich fahre noch einige Zeit durch diese abgefahrenen Felsformationen. Aber Pustekuchen nach Göreme ist oben am Berg der Spuk vorbei. Weiter über die verfluchten Schnellstraßen. Nach 100 KM verliere ich die Nerven und fahre runter auf eine Nebenstraße. Auch alles Gerade, nur weniger Spuren. Danach erlebe ich wie es sich auf diesen Schnellstraßen fährt, wenn noch kein Teer darauf ist. Ein breite Schotterschneise durch die Landschaft ins Nirgendwo. Hinter Kangal, wo die riesigen Hirtenhunde herkommen, wird es langsam kurvig. Ich schöpfe Hoffnung. Da es weit und breit keinen Campingplatz gibt, decke ich mich mit Proviant ein und suche mir im Tageslicht einen Lagerplatz. Herrlich diese Ruhe. Keine türkische Popmusik. Als es dunkel wird, zerschneiden gegenüber am Berg, 2 Suchscheinwerfer die Nacht wie Laser. Gespenstisch. Ich hoffe die suchen nicht mich... 
435 KM

2. 9.
Sie haben entweder nicht nach mir gesucht, wenn doch, dann zumindest nicht gefunden. Heute bin ich echt zeitig losgekommen. An einem der vielen öffentlichen Brunnen am Straßenrand Geschirr spülen, und in einem kleinen Städtchen nach einem Schaffell fragen. Ich bin vorher an großen Herden vorbei gekommen und da liegt der Gedanke nahe, sich eines im coolen Weltreise Look über die Sitzbank zu schnallen. Es endet mit einer längeren Pause in der ich mit Google Translate und Bildersuche einem Gemischtwarenhändler erkläre, was ich suche. Ich telefoniere in Englisch mit seiner Tochter und fahre hinter seinem Bruder her, der mir im Gemeindehaus kleine Teppiche zeigt. Es hilft alles nix. Hier gibt es keine Schaffelle. Als ich endlich weiter komme, gefällt mir der Gedanke eines kleinen Teppichs auf der Sitzbank sehr gut. Mal sehen was mir über den Weg läuft. Aber erst mal ist es ein junger völlig verwahrloster, ausgehungerter Hund. Ich bleibe stehen und gebe ihm mein restliches Brot. Am liebsten würde ich ihn im Tankrucksack mitnehmen. So traurig es ist, aber man kann nicht alle retten. 
Ich entdecke einen kleinen Fluss neben der Straße und beschließe runter zu fahren und mich zu waschen, was dringend nötig ist. In der sengenden Sonne trocknet auch alles wieder blitzschnell. 
Erfreulich ist, dass heute der beste Tag in der Türkei ist. Endlich Kurven und Straßen, die diesen Namen verdienen. Immer wieder bin ich auf neuen Schnellstraßen, die aber schön, geschwungen dahin gehen. Daneben sieht man die Reste der Alten, die sich eigentlich schön am Berg entlang geschlängelt hat. Schade. Aber so ist es auch spaßig, da zwischendrin echte Knaller Bergstraßen dabei sind. Eigentlich sollte ich hier ja nicht fahren, denn der KTM Kollege in Göreme hat mir nahe gelegt nicht durch dieses Gebirge zu fahren. Wegen der bösen Menschen. Aber erstens konnte ich nicht widerstehen und zweitens wäre ich noch zu Haus,e wenn ich alle „da darfst du nicht hin fahren, das ist gefährlich“ Warnungen wahr genommen hätte.
Vor und nach Tunceli, wovor ja der Kollege aus Göreme gewarnt hat, sehen die Polizeikontrollen aus wie die Checkpoints im Beirut der 80er. Da hat man irgendwie ein ungutes Gefühl, wenn man im Zickzack durch die MG-Nester geleitet wird. In der alevitischen Stadt, die modern ist, eine Uni hat und in der die Leute offensichtlich zu Wohlstand gekommen sind, patrouillieren gepanzerte Jeeps mit MGs auf dem Dach. Belfast der 80er. Die werden doch nicht einen "falschen" Bürgermeister gewählt haben? Um genau zu sein, ist es eine Bürgermeisterin. 

Danach führt eine super Straße herrlich kurvig am Fluss entlang durch die Schlucht. Immer wieder Lokale am Wasser mit Badenden, auch im Bikini. Diese Aleviten. 
Am Ende wieder MG-Nester, danach geht es geschwungen und schnell Richtung Erzerum. 
Mein Lager errichte ich heute zwischen einem Bach und der Road to Erzerum. 
400 KM

3. 9.
Noch früher geht es heute los zur georgischen Grenze. In meinen Gedärmen grummetl es ordentlich. Nach Erzerum treffe ich an der Tanke beim Çay einen deutschen Africa Twin Fahrer. Er kommt gerade aus Georgien. Wir tauschen uns kurz aus, denn jeder will weiter. Ihn haben die Türken bei der Einreise nur mit Versicherung für 80$ reingelassen. Seine grüne Karte war ihnen egal. Er empfahl mir vorhe,r hier in der Türkei für die Rückfahrt eine Versicherung zu kaufen die viel weniger kostet. Ich habe das Problem vertagt. Wie gesagt, die Warnungen anderer. Kurz vor der Grenze lasse ich mich noch rasieren. Das ist wie ein kleines Wellness. Fein, schade dass es das bei uns nur noch sündteuer in Barbershops gibt. Ich hab 15 Lira bezahlt. 

Die Grenze war wie erhofft leer. Die ersten zwei Nasen von Polizei und Zoll super unfreundliche, genervte und gelangweilte Arschlöcher. Die Dame am zweiten Häuschen sehr nett, aber es gibt Probleme mit dem System. Ich soll 10 min warten. Diese nutze ich, um im nagelneuen Grenzgebäude die Toilette zu besuchen. Wie gesagt es grummelt. 
Danach noch zum gelangweilten dritten Häuschen. Anschließend am georgischen Übergang ist die Polizistin wahnsinnig von ihrem Beruf genervt. Auch hat sie offensichtlich noch nie einen deutschen FZ Schein gesehen. Aber als alles, sogar die FZ-Identnummer in den Computer getippt ist, geht es weiter. Beim Zoll muss ich das komplette Gepäck abladen und ins Gebäude bringen zum röntgen. Hier wird aber mal ordentlich gearbeitet. Geldwechsel am Versicherungsschalter und weiter geht's. Spoileralarm, der Schalter wäre wichtig gewesen. In Achalkalaki kaufe ich ein, tanke und gehe was essen. Es gibt sehr gutes, saftiges Schaschlik. Die Preise sind moderat (Benzin 33 GL, Essen 15 GL). Danach suche ich mir einen Zeltplatz und finde schnell einen zwischen den Weizenfeldern. Kaum habe ich das Zelt aufgebaut kommt ein Traktor mit voller Beleuchtung und sie laden die Strohballen auf dem Nachbarfeld auf. Stirnlampe aus. Das geht mir jetzt noch ab. Entweder abbauen oder noch schlimmer, mit ihnen Wodka trinken müssen. Zum Glück sehen sie mich nicht im Schutz der Dunkelheit. Ich sitze bei knackigen 12 Grad mit einem Bier unter dem herrlich, beeindruckenden Sternenhimmel und der JBL gibt Bohemian Rhapsody zum Besten. Mehr braucht‘s ned. 
430 KM

4. 9.
Schon wieder Jetlag. Und das nach dieser kalten Nacht. Ich musste den zweiten Schlafsack auspacken. Jetzt stehe ich vollkommen verstrahlt vor meinem pitschnassen Zelt. Das ist mal ein Abenteuer. Vorgestern noch 34 Grad und jetzt das. Aber ich wollte es ja so. 
Als ich endlich starte hat es immerhin schon 12 Grad. Auf dem kurzen Weg nach Tiflis komme ich durch echt arme Gegenden und Dörfer. In der Hauptstadt dann der Schock der Gegensätze. Zu aller erst Mal, weil ich fast kollabiere mit meiner Daunenjacke und den dicken Handschuhen bei knappen 30 Grad. Als nächstes der Verkehr. Irrsinnig schnell aber machbar. Nur nicht zu langsam werden ist das Geheimnis. Vorwiegend große, teure Autos mit fetten V8 Motoren oder Toyota Prius. Die über Trip Advisor ausgesuchte Unterkunft hat noch ein Zimmer frei für 25€. Allerdings ist es nicht einfach sie zu finden, zumindest mit OSMand. Zimmer beziehen, endlich mal wieder duschen, umziehen, SIM kaufen, Gefährtin waschen, pflegen und den Innenkotflügel hinten mit Kabelbinder fixieren. Der will unbedingt hier bleiben scheint es. Dann bummle ich in die Stadt und sie haut mich um. Einerseits dieser laute, schnelle Trubel und andererseits total gechillte Lokale und Bars in den ruhigen Seitenstraßen. 
Ich gehe, wieder musste Trip Advisor herhalten, sehr gutes Essen, zumindest wenn man Koriandergrün mag,  trinke auch ein Gläschen vom georgischen Wein, Chapeau. 
180 KM

5. 9.
Eigentlich kein großes Ding. Von Tiflis nach Armenien an den Sewansee. Meinem Wendepunkt. Grenze ist inzwischen Routine. Bei der Ausreise will der georgische Polizist allerdings die georgische Versicherung vom Motorrad sehen. Die ja laut Internet-ich-war-in-Georgien-Blogs keiner kontrolliert. Stimmt soweit, bis halt dann bei der Ausreise. Wenn man nicht mehr einreist kann man die 100 GEL auch vergessen, denn kontrolliert wird erst bei erneuter Einreis, ob man es bezahlt hat. Was bei mir ja der Fall ist. Das Ende vom Lied ist, ich habe mir 7€ Versicherung gespart (an dem erwähnten Versicherungsschalter), 33€ Strafe bezahlt und kaufe mir für die Rückfahrt dann doch die Versicherung. Ich könnte mich und die anderen Traveler in den Arsch beißen. Wobei, ich weiß wie selten der zum Teil gewaschen wird. 20000€ Weltreise und 7€ sparen. 
In Armenien kaufe ich zuerst? Richtig, eine Versicherung für 4000 AMD. Ausserdem gibt es SIM Karten für 2000 mit 1GB Daten. 
Es ist sehr warm und ich fahre Richtung Sewansee. Mit einem Schlenker in den Norden, denn die geschwungenen Linien auf der Karte versprechen Spaß. Und was soll ich sagen, es wird auch nicht gebrochen. Da ist er nun der Motorradfahrspass pur. Armenische Straßen können was. Tipitopi. Der Heidenau trumpft auch auf, was will man mehr. Zum Beispiel Fleisch zum Grillen. Aber das bleibt wohl ein armenisches Geheimni,s wo es das zu kaufen gibt. Auf alle Fälle nicht in den kleinen MARKETs am Straßenrand. Überall Unmengen von Kühen, aber keine Metzger. Zum Ende hin gönne ich mir noch eine 50 KM Asphalt-mehr-Schotter-Kombi im Maxi Menü, denn sie geht komplett durch Wolken quasi Null Sicht und es hat 10 Grad. Das ist sehr kalt. Am Ende wuppt es mich am See unter den blauen Himmel. Ich bin beeindruckt. Der coole Surfer Hot Spot ist mir aber zu crowded and windy. Ich fahre noch 40 KM weiter und lande iOverlander inspiriert, mutterseelenallein am See. Direkt am Strand ist mir allerdings zu viel Müll. Kaum nehme ich den Helm ab, bleibt ein Lada stehen, 4 Männer mit 4 Gewehren steigen aus und kommen auf mich zu. Nur zur Erinnerung, ich bin immer noch in Armenien.
Sie grüßen und gehen an mir vorbei zur Entenjagd. Klischee: der Hund heißt Rex. 
331 KM / 6059 km zur Halbzeit

6. 9.
Die Nacht war zumindest nicht so kalt wie in Georgien. Gemütlich geht es auf einer ziemlich desolaten Straßen rund um den See. Als ich in Martuni abbiege und Ausschau nach einem Café halte, entdecke ich diverse Metzgereien. Als Mitteleuropäer vermutet man allerdings eher einen Kinderspielzeugladen hinter den bunten Tafeln mit Tieren drauf. 
Eine gute Straße führt auf 2400 Meter und dann Kurve an Kurve hinunter. Bei 1000 Metern hat es dann schon 28 Grad. Dieses Armenien! Klamotten raus, Klamotten rein. Der Wahnsinn. Unten auf der Hauptverbindung Jerewan - Iran ist die Straße so mies, ich habe Angst, dass mir die Koffer davonfliegen. Plan B. Rechts ab, über einen weiteren Pass zum Ararat, dem heiligen Berg. Siehe da, wieder ein top Asphalt. Von hinten drückt ein ortskundiger Opel Vectra an. Jedoch fährt man in meinem Alter eigentlich keine Rennen mehr. Eigentlich. Wenn dann nur noch ums Podium nie um den Sieg. Jetzt gilt es, ihr Heidenaus: 30 Grad und volles Gepäck. Der Grip passt. Um es kurz zu machen, es wird ein Start Ziel Sieg und Bochum wird auf die Plätze verwiesen. 
Als ich zum Kloster "Chor Virap" komme ist der Ararat in Wolken gehüllt. Auf dem Parkplatz werden mir 500 AMD abgeknöpft. Was ich ziemlich überteuert finde fürs parken. Ich esse meine Weintrauben, schaue mir das Kloster von unten an, da ich bei 32 Grad nicht so richtig Lust zum hinauf gehen habe. Müsste mich umziehen und er wäre dann auch nicht weniger verhüllt. Von hier aus kommt man dem für Türken und Armenier gleichermaßen heiligen Berg, Stichwort Arche Noha, recht einfach nah. 
Kurze Zeit später bin ich in meinem fensterlosen Hotelzimmer in Jerewan. Bummeln, Sightseeing Light und Essen. Danach das allabendliche Brunnen Spektakel anschauen und zurück ins Hotel. So richtig packt mich die Stadt nicht. Kein Flair, kein Charme. Nur Luxus und laut. Grand Hotels, Edelboutiquen und Luxuslimousinen wohin man schaut. Ein so krasser Unterschied zum Rest des Landes. 
Wenn sich irgendwer jemals die Frage gestellt hat: Wo landen eigentlich unsere ganzen alten Opel? In Armenien sind die Astras, Vectras und Omegas zum Teil in sehr gutem Zustand unterwegs. Außer eben in Jerewan.
254 KM

7. 9.
Heute geht es zurück nach Georgien. Ein kleiner Schlenker rauf zum Observatorium soll etwas Abwechslung in die fade, geradeaus Fahrerei bringen. Die Straße rauf überrascht immer wieder mit Asphalteinbrüchen die teils 40 cm tief sind. Der Aragaz mit seinen 4000 Metern ist in schwarzen Wolken versteckt. Ich schenke mir die Stichstraße weiter rauf, denn auf Regen habe ich gar keinen Bock. Runter geht es schön kurvig auf nagelneuem Teer. Ab dann bis zur Grenze geradeaus auf sehr rustikaler Hauptstraße. Dann wird es ärgerlich. Ich sehe einen jungen abgemagerten Straßenhund, von denen es in Armenien ziemlich wenige gibt. Ich fahre rechts ran, weil ich ja seid vorgestern dieses berühmte Lavash Brot herumfahre. Als ich den Motor ausmache hält die Polizei hinter mir und steigt aus. Ich könnte mich in den Arsch beißen, dass ich stehen geblieben bin. Der Beamte begrüßt mich mit Handschlag. Ach nett, denke ich mir noch. Dann deutet er mir, dass ich die durchgezogene Linie überfahren habe. Ja kann sein. Ziemlich sicher sogar, da ich ja ständig am überholen bin. Er füllt ein riesiges Formular aus auf dem ich sechs mal unterschreiben muss. Sein Kollege zeigt mir ein komisches Polizisten Bilderbuch, wo steht, dass das 30.000 AMD kostet. Alter das sind über 50€. Ich habe gerade für 1000 Mittag gegessen. Ich rege mich auf und wittere Betrug. Aber man kann ja kein Englisch. Da ich gar nicht soviel Drams habe, empfiehlt man mir einen Geldautomaten auf zu suchen oder eben in Euro zu zahlen. Laut Ihrer Umrechnung wären es 45€. Es wird immer komischer. Ich habe nur einen 50er. Sie geben mir 5000 raus, was 10€ sind. Als ich einen Beleg verlange heißt es erst nein, dann bekomme ich doch etwas. Was darauf steht, weiß nur wer des Ostarmenischen mächtig ist. Mit einer mords Wut pfeiffe ich zur Grenze. An jener, überlege ich kurz, die dortigen Beamten zu fragen, ob es sein kann, dass das überfahren der Linie, was quasi jeder immer macht, wirklich ein fünftel Monatslohn kostet. Lasse es dann aber gut sein, wer weiß, was dann wieder alles passiert. 
Nach der Grenze wird es dann noch lustiger. Es gibt quasi keine Straße mehr. Nur noch eine Aneinanderreihung von riesigen Schlaglöchern mit nicht einmal Teerresten dazwischen. Die Sattelschlepper fahren wilde zickzack Kurse. Nach sechs Supermärkten und keinem einzigen Metzger, dem Thema der Woche, habe ich zumindest ein Abendessen zusammen. Meine Route führt jetzt auch noch direkt auf die nächste schwarze Wolkenwand zu. Als ich das Ziel nochmal überprüfe sehe ich, dass es auf 2400 Metern liegt. Jetzt platzt mir endgültig der Kragen. Es ist jetzt schon kalt und windig, da sind 700 zusätzliche Höhenmeter ein Schmarrn. Ich drehe um und fahre Richtung türkische Grenze. Eine herrliche Straße bringt mich in einer Schlucht mit Fluss in tiefere Gefilde. Ich biege nochmal ab und folge einem anderen Fluss. Um mir einen Lagerplatz zu suchen. Als ich ein sensationelles Plätzchen direkt am Fluss unter Bäumen entdecke, bereiten mir die dunklen Wolken Sorge. Wenn es regnet komme ich hier nie wieder die Wiesenböschung hinauf. Zu steil, zu glatt, Motorrad zu schwer. Schweren Herzens suche ich mir was, oben auf den Feldern. 
313 KM

8. 9.
Natürlich hat es nicht geregnet. In der Früh checke ich nochmal das Wetter und studiere die Karte. Am Ende der Stichstraße, die ich gestern zum zelten entlang gefahren bin, ist Cave Town. Wow. Ausserdem ist sie kurvig. Ich schaue mir das schön von unten an, wegen umziehen und so, bin wieder einmal Kulturbanause und fröne lieber der Kurvenhatz. Da das Wetter in Georgien, speziell in den Bergen nicht gut zu werden scheint, plane ich um. Leider, aber auf tausende Höhenmeter im Regen habe ich überhaupt keine Lust. Wahrscheinlich regnet es im Kaukasus nicht, sondern es schneit. Somit habe ich von Georgien nicht wirklich viel gesehen. Schade, denn hier fährt man nicht eben nochmal her. 
Plan B ist rüber in die Türkei zu fahren und die Motorradstrecke Nummer eins der türkischen Biker, sagte zumindest mein KTM Kumpel aus Ismir, unter die Räder zu nehmen. Auf dem Weg zur Grenze zieht Georgien noch mal alle Register. Heidewitzga. An der Grenze, das übliche. Was ich allerdings nicht verstehe, warum tippen Sie sich alle den Wolf ein, um weder bei der Einreise noch bei der Ausreise nach der offenen Strafe zu fragen. Ich Depp hab die 100 GEL natürlich brav deutsch, sofort einbezahlt. 
Der türkische Zoll hat dann nur an meinem Benzinkanister was rumzumosern. Not good. Dann wieder OK. Not good. Ich sage ihm, „It's german fuel“. OK, good, go! Respekt, nach zehn Grenzeübertritten und wohlgemerkt der zweiten in die Türkei, kommt man auf so was. Not good. 
Was den Armeniern ihre Opel sind, ist in Georgien der laut Aufschrift ehemalige deutsche Handwerker Transit. Die sind alle hier gelandet und werden scharf gefahren, wie Waffen. 
In der Türkei komme ich 10 KM weit, bis mich wieder die „daumendicker Rollsplitt auf Bitumen Straße“, empfängt. Kaum habe ich mich wieder abgeregt, fängt es an zu regnen. So richtig. Oben auf dem Pass mit 2400 Metern hat es 5 Grad und auf den Hängen gegenüber ist es weiß. Ein Traum im dünnen Funktions-Shirt. Als ich unten meinen Pulli anziehe, spüre ich den Wassereinbruch am Bauch und natürlich wo sonst, im Schritt. 4 spurig geht es über Ardahan, wo ich mir eine lange Unterhose kaufe, weiter ins Gebirge. 
Die Biker No. 1 wäre ohne Rollsplitt und Regen sicher der Hit. Aber in meinem Fall nicht so prickelnd. Irgendwann habe ich mich eingeschossen, der Dainese Anzug hält diesmal dicht und die Heidenau können sogar nass. Außer schneller wie 140 können sie eigentlich alles. Ich bin hin und weg. Pirelli, Michelin, Bridgestone, Metzeler, Continental, alle deklassiert. Jetzt bin ich gespannt wie lange sie halten. Irgendwann wird es mir dann zu blöd mit dem Wasser und ich suche mir ein Hotel. 
231 KM
9. 9.
Die Sonne scheint, aber es ist frisch. Ich starte mit Pulli und neuer, langer Unterbuxe. Nicht lange, denn in den Tälern ist es wie immer warm. Also alles wieder ausziehen. Es wird der beste Tag in der Türkei bis jetzt. Immer geht es an Flüssen entlang. Immer kurvig. Mal enger mal weiter. Mal einspurig mal 4 spurig. Aber immer geil mit tollem Asphalt. Allerdings nicht mehr lange. Überall stehen sie schon in den Startlöchern mit ihren Baumaschinen. Und das geht ratzfatz, dann sind auch diese kleinen Straßen Geschichte. Der letzte Pass sollte laut Karte gerade aber laut Navi schön kurvig sein. Am Anfang verhagelt mir der aufziehende Sturm die Linie und oben auf dem Pass ist eine dicke Wolkensuppe. Die Abfahrt zum Schwarzen Meer entpuppt sich dann schnell als schmaler unbefestigter Weg. Senkrechter tiefer Abgrund ist ständig an meiner Seite. Ist aber auch irgendwie ein geiles Abenteuer. "A man has to do what a man".... Irgendwann ist der Untergrund wieder geteert und zwar vom Feinsten. Die Endorphine tanzen Samba und die Tiger fliegt durch die Ecken.
Kurz vor dem Meer bringen die Teebauern ihre Ernte in die Teefabriken. Die ganze Gegend riecht nach frisch gebrühtem Tee. Ich erreiche mein Ziel und suche einen der unzähligen Messerläden auf. Denn Sürmene ist bekannt für seine Messer, und ich bin bekannt dafür, gerne Messer zu haben. Nach meinem sehr günstigem Einkauf, bringt mich noch einer vom Laden zu einem Hotel. 110 Lira, da kann man nicht meckern. Meckern kann man, wenn sich herausstellt, dass es in ganz Sürmene kein Bier gibt. Dafür einen Haufen Moscheen. Man kann offensichtlich nicht alles haben. Im Hotel finde ich heraus, dass der letzte Pass, der Bayburt of Yolu (cooles Video), zu den gefährlichsten Straßen der Welt gehört. Naja, so gefährlich fand ich ihn jetzt auch wieder nicht.
422 KM 

10.9
Erst mal tanken, und weil es sich anbietet, gleich noch die erheblichen Spuren meiner gestrigen Offroad Einlage beseitigen. 3 Lira, was kostet die Welt. Danach langweilig am Schwarzen Meer entlang nach Trabzon. Ab da ist das Sumela Kloster schon ausgeschildert. Die Straße dort hin ist super, noch besser ist, dass ich am Zahlhäuschen durchgewunken werde. Am Ende sind dann Menschenmassen, die sich per Bus oder zu Fuß zum Kloster begeben. Als bekennender Kulturbanause belasse ich es beim fotografieren von unten und trinke einen Kaffee. Nicht zu vergessen die süße Schweinerei, Künefe. 
Bis Torul geht's schön kurvig weiter. Dann in sehr, sehr lang gezogenen Bögen quasi bis Niksar. Hier habe ich per Google Maps einen Campingplatz gefunden. Wollte heute mal wieder in Ruhe zelten. Irgendwie habe ich in der Türkei immer ein ungutes Gefühl beim wild zelten. Immerhin habe ich ordentlich Strecke gemacht, und der kurze Schauer war nicht der Rede wert. 
492 KM

11.9.
Heute geht es wieder über die Berge ans Meer. Diesmal asphaltiert. Überall wo Platz ist liegen Haselnüsse zum trocknen. Gehwege, Tankstellen oder Seitenstreifen. Werde mich bei meinem nächsten Hanuta fragen, ob es die von der Tankstelle sind, denn die Türkei produziert 70% der Haselnüsse weltweit. Die letzten 200 KM fast forward nach Sinop. Abends die Stadt anschauen und auf dem Camping Platz ein Gute-Nacht-Bierchen. Es gibt einen Franzosen, der mit dem Rad seit April rund ums Schwarze Meer radelt und ein Pärchen, das mit ihrem Jeep Richtung Georgien unterwegs ist. Man tauscht sich aus. 
367 KM

12.9.
Es wird wieder mal etwas später bis ich weg komme. Ich verspreche mir einiges von der heutigen Küstenstraße nach Amsara. Doch immer wenn es kurvig wird hat man den Teer mit Rollsplitt repariert. Wie wenn es Absicht wäre. Ich vermute, wenn Zeit ins Land geh, wird diese Bitumen Rollsplitt Mischung zu sowas ähnlichem, wie der französische grobe, raue, gummifressende Asphalt. Solange der Splitt aber noch nicht festgefahren ist, nicht lustig. 
Nach Inebolu ist Schluss mit meckern. War schon ziemlich angefressen, als es dann endlich bis Amsara, rund geht. Die schmale Straße kommt etwas hemdsärmlig daher, aber schenkt toujour ordentlich ein. In Amsara brauche ich erst mal eine Kaffeepause, da ich vollkommen am Ende bin und es ist auch schon spät. Ich schaue mir ein Plätzen im iOverlander aus, kaufe ein und fahre noch 40 KM zum Strand. Zum Ende noch ein kleiner Tobsuchtsanfall. Wenn man falsch abgebogen ist, kann man nicht umdrehen, da immer Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen sind. Alles vergessen, als ich im aufgehenden Vollmond mein Zelt am Strand aufbaue. Vollkommen undenkbar am Mittelmeer. Allerdings wäre es da jetzt wärmer und ich bräuchte meine Daunenjacke nicht. 
376 KM

13.9.
Als ich meinen eigentlich idyllischen Lagerplatz hinter der Düne bei Tageslicht sehe, bin ich traurig, da es scheinbar keinen Platz am Meer mehr gibt, der nicht mit Müll zugestopft ist. Zu 99% Plastik. In diesem Fall von Land und Seeseite. 
Heute geht es spaßig weiter. Erst so wie es gestern aufgehört hat, dann in langen Bögen autobahnmässig bergauf, bergab. Ist aber bei 120 auch spannend. Irgendwann beim Wasser fassen und lassen, stelle ich fest, dass der griechische Fachmann meinen Vorderreifen falsch herum montiert hat. Der zweite Reifendienst, den ich aufsuche montiert ihn der Laufrichtung entsprechend richtig herum. Ein- und Ausbau erledige ich selbst. Danach geht es ewig auf super Straßen durch hügeliges Land  bis kurz vor Istanbul. Auf der Autobahn daran vorbei, auf dem teuersten Campingplatz dieser Reise. Obendrein ist es auch der abgefuckteste, den ich je gesehen habe. Und ich war in Rumänien oder Süditalien. Aber so etwas, da fehlen selbst mir die Worte. 
468 KM

14.9.
Ohrenstöpsel rein und auf die Autobahn zur Grenze. Zum Abschied lädt mich der türkische Tankwart noch auf einen Kaffee ein. Somit bleibt es dabei, jedesmal wenn mich was tierisch nervt in der Türkei, kommt kurze Zeit später wieder etwas nettes. 
Die letzten Lira vor der Grenze noch in Benzin und Süßigkeiten im Duty Free verprasst. Die Ausreise geht diesmal ratzifatzi. Dann kommt vor der bulgarischen Grenze eine Desinfektion. Das heißt, man wird von unten mit Chlor besprüht. Als Motorradfahrern ohne Jacke und Helm, sehr unangenehm. Ich wasche mir später mit meiner Wasserflasche das Chlor aus Gesicht und Haare. Immerhin muss ich nichts dafür bezahlen. Die Autos schon. Die EU Aussengrenze ist von allen die ich auf dieser Tour erlebt habe, die mit Abstand schnellste. Pass, Fzg-Schein, weiter. Dem Zoll gehe ich am Arsch vorbei. Mir nur Recht. Bei einem der Autobahn-Vignetten-Häuschen erfahre ich, dass Motorräder wieder nichts zahlen müssen. Auch Recht. Noch ein wenig Autobahn und Schnellstraßen, nach ca 80 KM, geht es in die Berge Bulgariens. So kurve ich beherzt noch 4 Stunden dahin, begegne einheimischen Motorradfahrern die im Lederkombi flott unterwegs sind und auf einem Parkplatz übt ein Stuntfahrer seine Wheelies und Stoppies. Bevor es dunkel wird kaufe ich ein und suche mir einen Lagerplatz. Herrlich. Abends wird es immer frisch sobald die Sonne weg ist. 12 Grad. Morgens wenn ich um 8 Uhr aus meinem Zelt krieche,7 Grad.
469 KM

15.9.
Kurven, Kurven, Kurven. Kein Wunder, dass sonntags unzählige Bulgaren ihre Big Bikes ausführen. Wunderbares Motorradfahren, mittags kommt sogar noch eine riesige geführte Gruppe deutscher Biker am Restaurant an. Lustig, dass die Harleys und BMWs jetzt auch nach Bulgarien fahren. Heute ist wieder das ganze Menü am Start. Als ich meine restlichen Leva vertanken will kommt aber zack die serbische Grenze. Danach ewig keine Tanke. Nur ziemlich arme Dörfer. Hier ist das Leben ziemlich hart und karg. Meine Reichweitenanzeige hat schon lange abgewunken bis eine Tankstelle kommt. Bis dahin ist es aber eine mords Kurverei. Ich gehe noch Dinar abheben und bleibe auf meinen Leva sitzen. Die Navigation ist immer wieder ein Rätsel. Aber die Strecke war toll bis auf die Autobahn und den Bogen zum Campingplatz am Ende. Der Campingplatz ist am amtlichen Arsch der Welt aber ziemlich neu und mit einem riesigen Pool. Eigentlich zwei. Waschen und 2 einheimische Rotwein lassen den Tag ausklingen. 
401 KM

16.9.
Ich fahre als erstes in die Stadt und suche eine Bank um meine Leva los zu werden. Beides ist nicht so einfach wie man denkt. Erst gurke ich rum, frage zweimal nach einer Bank, um dann nach ewigem anstehen zu erfahren, dass sie keine Leva tauschen. Aber die Wechselstuben in der Fußgänger Zone. Irrtum, auch die nicht, sie schickt mich zu einer anderen Bank nebenan. Lange Rede kurzer Sinn, weder zwei Banken, drei Wechselstuben noch zwei Motels mit riesigen Exchange Schildern wechseln Leva. Ist ja klar, dass die Währung eines EU Staates nix ist, gegen den Serbischen Dinar. Liebe Serben, Geschäftssinn geht anders. Muss ich halt in MUC zur Reisebank. Unterm Strich hat mich der Scheiß einen Haufen Zeit und Schweiß gekostet. Raus aus der Stadt und dann sticht mich auch noch eine Wespe oder Biene. Es ist mir ein Rätsel wie diese Viecher es schaffen mit 80 gegen mein Schlüsselbein zu knallen und kurz vor dem Zerplatzen noch zuzustechen. Auf alle Fälle stehe ich jetzt am Straßenrand und bearbeite den Stich mit meinem BiteAway. Hilft. Ich bilde mir ein, eine Straße zu fahren die Osmand tunlichst zu umschiffen versucht. Auch Google Maps ist sich uneins. Nur die Reise Know How Karte ist sich sicher, dass da was geht. Ich alter Abenteurer drehe nach 10 KM um, da der unbefestigte Weg dann doch zu grob wird. Hätte aber auch klappen können. Schlussendlich ist an den Reise Know-How Karten doch nur das Material genial auf dem sie gedruckt sind. Es zieht sich ein wenig bis ich aus der Ebene raus bin und in die Berge komme. Aber dann gibt es kein Halten mehr. Von Kategorie 3 (gerade so ohne Schlaglöcher) bis Kat. 1 ist alles dabei. Irgendwann heftiges Gelichthupe und gestikulieren im Gegenverkehr, ich denke Polizeikontrolle. Aber nein, ein Teil des felsigen Hanges ist auf meine komplette Spur gefallen. Muss erst passiert sein, ein paar Männer mit Warnwesten regeln den Verkehr. Ich bin jetzt doch froh, Zeit mit Geldwechselversuchen verplempert zu haben. Wer weiß was eine Stunde vorher hier passiert wäre. 
In einer Bäckerei kaufe ich Frühstück ein, melde mich zu Hause von einer Bar mit WLAN und suche mir einen Lagerplatz. 
371 KM

17.9.
Rekord. Ich bin schon um 10 Uhr auf der Straße. Es geht voran, nicht der Kurvenknaller aber abwechslungsreich. Vor der Grenze zu Bosnien verbrate ich noch meine Dinar mit Benzin und Cevapcici. Den Rest wechselt die Tanke auf der anderen Seite des Flusses. Bosnien, ich werde nicht warm mit dir. Wahrscheinlich gibt es total nette Menschen da, aber definitiv nichts zum Motorrad fahren. Nur Transitstraßen mit Unmengen an LKWs. Ich bin eigentlich mehr auf der linken als auf der rechten Spur. Auch der kurze Schlenker nach Süden bringt nicht wirklich was. Da der Wetterbericht für morgen Regen prognostiziert, überlege ich ins Hotel zu gehen und dann auf der Autobahn heim zu fahren. In Banja Luca angekommen, bin ich so genervt, dass ich mir zwei Monster Energy Drinks kaufe und Richtung Heimat durch starte. Um elf fängt es in Slowenien, 60 KM vor Österreich, an zu regnen. Da ich inzwischen auch müde bin, suche ich mir ein Hotel. Die 56€ sind mir in diesem Moment ziemlich egal. 
775 KM

18.9.
Da gibt es nicht viel zu sagen, ab auf die Autobahn, unterbrochen von diversen Zahlungsaufforderungen wegen Straßen oder Tunnelbenutzung, einmal tanken und um 14Uhr bin ich zu Hause. Der Versuch eines Wheelies in Holzkirchen scheitert trotz deaktivierter Traktionskontrolle grandios. 
Tiger und Dompteur sind wohlbehalten zurück. 4 Tage früher als gedacht. Aber ich hatte jetzt wirklich keinen Bock mehr noch dieses oder jenes Gebirge zu durchkurven. Wahrscheinlich ärgert es mich in ein paar Wochen...
 


Fazit:

Leckst du mich am …
11365 KM ohne Panne – ohne Schmerzen – ohne irgendwelcher Probleme.
Ich bin von meiner Tiger und von meinem Rücken angenehm überrascht. Ich fuhr in jeden Tag hinein und plante so gut wie nichts voraus. Und genau so war es perfekt. In allen 14 Ländern bin ich immer sehr freundlich behandelt worden. Ich hatte bis auf einmal (und da war Alkohol im Spiel) nie das Gefühl in Gefahr zu sein. Ich hatte nie Angst bestohlen zu werden, im Gegenteil, ich wurde mehrfach beschenkt. Auch ohne eine gemeinsame Sprache habe ich, bis auf ein Schaffell, immer alles bekommen was ich gesucht habe, auch weil der Google Übersetzer oft sehr hilfreich war. Der Kassensturz ergab, dass ich mehr Geld für Benzin als für den Rest der Reise ausgegeben habe. Kulinarisch, naja was soll ich sagen. Es hat wohl einen Grund, dass die französische und italienische Küche die Restaurants weltweit erobert haben und nicht die türkische. Ab Slowenien grillt man Hackfleisch. Es heißt immer anders, schmeckt aber immer ziemlich gleich.
Die Endscheidung nicht in den Iran zu fahren war richtig. Den Südosten der Türkei aus Zeitgründen auszulassen war auch richtig. Nach meiner Rückkehr sind die Türken in Syrien einmarschiert und im Iran werden die Proteste der Bevölkerung blutig niedergeschlagen.

Fernreise langweilt
Ich bin scheinbar der leidenschaftlichere Motorradfahrer als Reisende. Dieses ewige unspektakuläre dahingefahre um irgendwo an zu kommen, beziehungsweise wieder zurück, das ist mir zu langweilig. Ich fahre lieber kurvige Straßen um der Kurven willen. Wenn ich dabei nicht so weit wegkomme, auch gut. Wenn es mich nach Albanien oder Portugal bringt, noch besser. Und sind wir mal ehrlich, eine Passstraße in Armenien schaut genau so aus wie die in Italien oder Frankreich. Die Dörfer unten natürlich anders. Die anatolische Ebene ist weit und schier unendlich. Aber eben auch wenn man durch fahren muss. Natürlich ist es interessant andere Länder und Menschen kennen zu lernen, das kann man aber auch ohne Motorrad, dafür mit Familie.

Der türkische Überwachungsstaat
Keine Ahnung warum, aber bei jedem tanken wird mein Kennzeichen in ein Gerät an der Zapfsäule eingetippt, das dann auch auf meiner Quittung steht. Beim Bezahlen der Autobahnmaut muss ich etwas nach vorne rollen damit sie mein Kennzeichen eintippen können. Vor und nach jedem größeren Kaff wird man mit Kameras über der Straße erfasst. Ich bin ja nicht der größte Datenschützer, aber das macht mich stutzig. Der junge Biker in Göreme hat mir erklärt, dass es für die Sicherheit ist. Kommt mir bekannt vor diese US-Gehirnwäsche-in-Sicherheit-Wiegelei. An der Tanke angeblich deshalb, damit Terroristen keine Molotowcocktails bauen können. Achso, ja klar. Hätte ich ja auch selbst drauf kommen können.

Keinen Sinn für Schönheit
Meistens ist alles nur praktisch, oder auch fürchterlich schäbig und / oder gepfuscht. Nicht, dass ich jetzt falsch verstanden werde, es ist überall sauber, aber eben nicht hübsch. Restaurants in grünes Neonlicht getaucht ohne jegliche Zierde. Frühstücksraum: Resopaltische und Stühle. Fertig. Die Terrasse ist unter einer Plane mit Plastikstühlen und Tische. Fertig. Ausnahmen sind natürlich Tiflis und Yerewan. In türkischen Großstädten war ich nicht, aber ich nehme an, dass es da auch hübsch ist.

Kein Müll
Wohin man auch sieht. Es liegt kein Müll herum. Ausser am einsamen Schwarzmeerstrand.  Es gibt aber auch überall Mülleimer. Und es gibt Leute die ihn einsammeln. Zum Teil mitten auf den Landstraßen.
Nicht ganz so sauber, aber auf alle Fälle kein Vergleich zum Balkan oder Rumänien sind Georgien und Armenien. Das ist doch mal ein Lichtblick.

Türkei Fast Forward
Wenn jemand türkische Betonaktien hat, bravo zum Reibach. Hier wird gebaut, was das Zeug hält. Aber nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt. 4 spurige Straßen mit Standstreifen in den entlegensten Winkeln. Ich fahre oft völlig alleine drauf. Zum Teil kommt es mir fast ein wenig größenwahnsinnig vor. Brücken, Tunnel, Stauseen und Hochhaussiedlungen zum Beispiel in Kayseri, wo sich die Einwohnerzahl in den letzten 19 Jahren verdreifacht hat. Dagegen ist BER nicht mal Kindergarten sondern eher Kinderkrippe. Einerseits Respekt, andererseits gehen so, die ganzen Motorradstrecken flöten.
Das Handynetz ist quasi immer in 4G vorhanden. Die WiFi Verbindungen sind schnell, auf dem Campingplatz oder im Restaurant einen WhatsApp Anruf zu machen ist gar kein Problem.

Die Grenz- und Polizeibeamten
In erster Linie sind quasi alle von ihrer Kundschaft und/oder Job genervt. Frauen sind in der Regel freundlicher. Manchmal ist das Handy wichtiger als ich in der prallen Sonne. Was alle gemeinsam haben ist, dass man auf keinen Fall mehr wie 2 Finger auf der Computer Tastatur benutzt. Englischkenntnisse sind nur rudimentär vorhanden. Bei der Einreise nach Georgien wurde die Fahrgestellnummer an der Tiger überprüft und in den Computer eingetippt. Bei der Ausreise aber nicht.
In Armenien wollte mich der Beamte für die Einfuhr des Motorrades zur Kasse schicken wegen der Ökologie Abgabe. Seine Kollegin hat ihn darauf hingewiesen, dass ich ein Motorrad habe, das nichts bezahlen muss. War mir mit Dainese Hose und Jacke bei 30 Grad aber auch nicht sofort anzusehen. Danach konnte man sich nicht über den Unterschied von Manufacturer und Model des Motorrades einig werden. Wohl gemerkt, dieser Mann macht den lieben, langen Tag nichts anderes als Fahrzeug Ein- und Ausfuhr.
Aber das aller schlimmste ist: Man muss immer freundlich bleiben.
Die türkische Polizei hat mich nur zwei mal gestoppt. Einmal um die Papiere zu kontrollieren und einmal weil sie wissen wollten, wo ich her komme. Almanya! Lachen, Daumen hoch, weiterfahren.
Die armenischen Polizisten haben mich ausgeraubt und alle anderen habe ich nicht zu Gesicht bekommen.

Heidenau K60 Scout
Richtig herum montiert hätte der Vorderreifen eventuell mehr Seitenhalt im Schotter gehabt. Ich werde es nicht heraus finden können. Für diese Reise war es der absolut richtige Reifen. Ich war anfangs skeptisch, ob der Lobhudelei im Internet, wie toll dieser Reifen ist. Aber es ist wirklich so. Grip ohne Ende, nass wie trocken. Wie immer realisiere ich nicht die Laufleistung vieler Anderer, aber 8600 KM und über 4mm Restprofil hinten wie vorne, habe ich mit noch keinem Reifen geschafft. Ich bin heilfroh, den Conti am Anfang noch runter gefahren zu haben. Dieser hat insgesamt 7800 KM gehalten. Sonst wäre es vielleicht eng geworden.
Wichtig ist, dass man spätestens alle 2 Tage den Luftdruck der K60 kontrolliert. Ich bin ihn vorne mit 2,1 bar und hinten mit 2,5 gefahren, sonst hat er ein vollkommen unbrauchbares Handling und rollt extrem hart ab. Für die Autobahn nach Hause habe ich auf den Normalwert 2,5 bzw. 2,9 angehoben damit er nicht so pendelt. Hat nicht wirklich was gebracht, mehr wie 150 geht so oder so nicht ohne Angstzustände.